Mehrwert durch BIM-Workflow in der Praxis – Vortrag von Tim David Lemmler und René Seifert zum praxisbewährten Workflow á la ‘keep it simple’.
Auf der BIM World Munich, 2025, präsentierten Tim David Lemmler und René Seifert vom Büro von Canal Architektur +Generalplanung ihren erfolgreichen, alltagserprobten Workflow für die modellbasierte Kostenberechnung und Ausschreibung. Im Fokus stand die nahtlose und effiziente Zusammenarbeit ihres CAD-Tools Allplan mit der Ausschreibungssoftware NOVA AVA. Sie zeigten auf, wie durch die konsequente Nutzung von Attributen und intelligenten Filtern der größtmögliche Mehrwert aus dem 3D-Modell gezogen wird – ein perfektes Beispiel für gelebtes BIM mit Allplan und NOVA AVA.

Als Praxisbeispiel diente das kürzlich fertiggestellte Frames Hotel in Mülheim-Kärlich, an dem das Büro demonstrierte, wie Planungsqualität und Kostensicherheit von den frühen Phasen bis zum fertigen Leistungsverzeichnis (LV) Hand in Hand gehen.

„Keep it simple“ für den BIM-Erfolg Attribute statt komplexer Geometrie
Der Grundstein für einen reibungslosen BIM-Prozess wird bereits in der Architekturplanung gelegt. Die Marschrichtung von von Canal lautet dabei konsequent: „Keep it simple“. Anstatt jedes Bauteil mit komplexen, mehrschichtigen Geometrien zu modellieren, wird der Aufwand bewusst auf die Anreicherung um Information konzentriert:
- Einschalige Modellierung: Elemente wie Wände (z.B. Trockenbau-, Mauerwerks- oder Betonwände) werden im Allplan-Modell lediglich als einschalige Bauteile angelegt. Es wird bewusst darauf verzichtet, jede einzelne Schicht (Beplankung, Dämmung, Ständerwerk) geometrisch abzubilden.
- Informationsanreicherung per Attribut: Alle für die spätere Ausschreibung und Kostenberechnung notwendigen Spezifikationen werden stattdessen als Attribute an die einschalige Geometrie angefügt.
Dazu gehören:- Materialität und Bauphysik
- Feuerschutzwiderstandsklasse
- Schallschutzklasse
- Informationen über zusätzliche konstruktive Details, z.B. ob ein gleitender Deckenanschluss erforderlich ist.
- Gesicherte Qualität durch Assistenten: Der Schlüssel zur Konsistenz ist die Nutzung selbstentwickelter Allplan-Assistenten, die allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen und alle relevanten Attribute bereits voreingestellt enthalten. Dies minimiert Fehler und schafft die Basis für ein „sauber aufgebautes 3D-Modell“, das für BIM mit Allplan und NOVA AVA unerlässlich ist.

Intelligente Filterung: Der zentrale Schlüssel in NOVA AVA
Das aus Allplan exportierte IFC-Modell enthält eine große Menge an Informationen. Um diese Daten für die Prozesse nach DIN und VOB nutzbar zu machen, ist die Erstellung von Filtern in NOVA AVA der wichtigste Parameter. Die Filter dienen dazu, die Bauteile schrittweise und präzise den gewünschten Kosten- oder LV-Positionen zuzuordnen.
Am Beispiel der Trockenbauwand erläutern die Referenten beispielhaft den detaillierten, siebenstufigen Filterprozess, für den sich von Canal in NOVA AVA entschieden hat:
- Basis: Alle Elemente des Modells werden in den Filter aufgenommen.
- Bauteiltyp: Es werden ausschließlich Wände herausgefiltert; alle anderen Elemente werden entfernt.
- Ausschluss grob: Alle Außenwandbauteile und tragenden Wände werden entfernt, da nur Innenwände für das Gewerk Trockenbau relevant sind.
- Gewerk: Es wird gezielt nach dem Gewerk „Trockenbauarbeiten“ gefiltert.
- Konstruktionstyp: Unterscheidung nach Tragstruktur, z.B. Filterung nach Metallständerwerk (um Holzständerwerk auszuschließen, falls relevant).
- Detail: Weitere Differenzierung, z.B. nach Schachtwänden oder beidseitig beplankten Wänden.
- Dimension: Die abschließende Filterung erfolgt nach der Wandstärke (z.B. 15 cm).
Diese Filterkette ist die zentrale Voraussetzung für eine präzise Mengenermittlung. Die Filterpalette in NOVA AVA bietet dabei die Möglichkeit, die gefilterten Bauteile jederzeit visuell im 3D-Modell darzustellen, was der schnellen Plausibilisierung und visuellen Kontrolle dient.

Kostenberechnung und VOB-konforme Mengenermittlung
Der Workflow BIM mit Allplan und NOVA AVA ermöglicht eine lückenlose Verknüpfung des Modells mit den kaufmännischen Prozessen. Modellbasierte Kostenberechnung nach DIN 276.
Nach dem Import der IFC-Struktur werden in NOVA AVA Kostenelemente erstellt. Diese enthalten Einzelkosten (z.B. Preis pro Kubikmeter Beton, Quadratmeter Schalung) und sind einem Leistungsbereich sowie der passenden DIN-Kostengruppe zugeordnet. Über die zuvor definierten Filter wird jedes Kostenelement mit dem entsprechenden Bauteil im Modell verknüpft. Das Ergebnis ist eine modellbasierte Kostenberechnung, die nach DIN gegliedert ist und die notwendige Detaillierungsebene für die Budgetkontrolle und Kostenschätzung in den frühen Phasen liefert.
Gesicherter Mengenexport und VOB-Sonderfälle
Im Gegensatz zu einigen anderen BIM-Workflows setzt von Canal bei der Ausschreibung auf den gesicherten Mengenexport. Das LV wird nicht automatisch generiert, da der Export aus dem Modell hierfür noch nicht als sicher genug erachtet wird.

Der Clou liegt in der Abbildung von VOB-konformen Mengen und Zulagen, die nicht modelliert werden mussten:
- VOB-Mengen: Da Allplan nicht alle VOB-Regeln (wie die Nicht-Abzugsfähigkeit kleiner Öffnungen) beim IFC-Export abbildet, wurde ein weiterer Filter konstruiert. Dieser identifiziert alle Öffnungen in Trockenbauwänden, die kleiner als 2,5 m² sind, und rechnet diese Mengen zu den Nettomengen hinzu. So werden trotz der „Keep it simple“-Modellierung VOB-konforme Mengen generiert.
- Nicht modellierte Zulagen: Konstruktiv aufwendige, aber geometrisch einfache Elemente wie die Zulage für einen gleitenden Deckenanschluss (die in der Regel ein separates, aufwendiges Bauteil erfordern würden) werden ebenfalls über Filter abgebildet. Ein Attribut-Filter identifiziert Wände mit dem Attribut „gleitender Deckenanschluss“, liest die Länge der Wand aus den Geometriedaten aus und erzeugt hieraus die entsprechende Zulagenposition im LV.
Fazit: Schnelligkeit und Kontrolle als entscheidende Wettbewerbsvorteile
Der konsequente Einsatz von BIM mit Allplan und NOVA AVA hat für von Canal Architekten zu einer hochgradig parametrischen Prozesskette geführt, deren Vorteile weit über die reine Mengenermittlung hinausgehen:

| Vorteil | Quantifizierbarer Nutzen |
| Konsistente Mengen | Alle Mengen basieren auf den Mengen des BIM-Modells bzw. auf per Formel daraus abgeleiteten Mengen. Diese faktisch komplett aus den Modellen abgeleiteten Mengen sind stets mit der Kostenberechnung und allen Leistungsverzeichnissen verknüpft. |
| Plausibilisierung durch visuelle Kontrolle | Mengen, Bauteile, Filter, … – all diese Werte und Elemente können per BIM Modellviewer visuell plausibilisiert werden. |
| Parametrische Prozesskette erzeugt Effizienz bei Wiederholungsprojekten | Bei Projekten mit gleichen Ausstattungsqualitäten können bis zu 75 % der Kostenberechnung mit nur einem Klick erledigt werden. |
| Nur 15 Minuten für die Aktualisierung von Mengen- und Kosten | Modelländerungen (wie sie in der Planungsphase ständig vorkommen) werden schnell verarbeitet. Die Aktualisierung des gesamten Prozesses (Kostenberechnung und LV) erfolgt innerhalb von nur 15 Minuten. |
| Schnittstelle wird zur Nahtstelle, die Mitarbeiter nicht missen wollen | Die Mitarbeiter nehmen die Verbindung mittlerweile als „Nahtstelle“ wahr. Sie bevorzugen und fordern diesen sauberen, modellbasierten Weg aktiv gegenüber älteren 2D-Methoden. |
Die zwei wichtigsten Devisen der Referenten lauten daher auch für BIM mit Allplan und NOVA AVA : „Die Prozesse vom Ende her denken“ und “Keep it simple”. Diese Devisen ermöglichen einen effizienten, durchgängigen, modellbasierten Ansatz, der alle Phasen von der frühen Schätzung bis zur Ausschreibung abdeckt.
So können Gebäude so realisiert werden, wie sie konzipiert werden, und die Budgets zuverlässig kontrolliert werden.
Weitere Hinweise zu Workflow BIM mit Allplan und NOVA AVA findest du im Leitfaden „Allplan und NOVA AVA – Hinweise zum BIM Workflow„
Sieh dir mehr an zum Spaß mit NOVA AVA und Baukostenmanagement bei von Canal Architektur +Generalplanung
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