Wie schafft ihr Kostensicherheit, Benedikt Sulzer?

10. März 2026

Kostensicherheit beginnt früh. Gute Kennwerte sind für die realistische Kostenschätzung in Phase 2 entscheidend. Interview mit Benedikt Sulzer.

Herr Sulzer, Kostensicherheit ist aktuell eines der zentralen Themen im Planen und Bauen. Warum ist das aus Ihrer Sicht heute so kritisch wie vielleicht noch nie?

Das Geld sitzt nicht mehr so locker, um es mal salopp auszudrücken. Gerade bei Industrie- und Pharmaprojekten, mit denen wir es oft zu tun haben, spielen Kosten natürlich schon immer eine große Rolle. In der jetzigen Zeit ist Kostensicherheit aber wirklich essenziell – und zwar nicht nur am Ende eines Projekts, sondern von Beginn an. Es bringt mir nichts, wenn ich am Anfang ein Konzept für den Kunden mache, er sein Budget nennt, und ich dann am Schluss komme und sagen muss: Sorry, das Geld reicht nicht.


Kostensicherheit - ein Hauptthema für Benedikt Sulzer

„Wir arbeiten mit echten Kennwerten aus realisierten Projekten. Das ist für uns der entscheidende Punkt.“

Benedikt Sulzer, Geschäftsführer Ingenieurbüro Sulzer

Wo genau beginnt aus Ihrer Sicht echte Kostensicherheit im Projektverlauf?

Aus meiner Sicht beginnt Kostensicherheit schon in der Leistungsphase 2 – also mit der Kostenschätzung. Das ist der entscheidende Punkt. Wenn ich dort sauber arbeite, habe ich eine belastbare Grundlage für alles, was danach kommt. Wir wollen dem Auftraggeber früh sagen können: Für dieses Geld ist dieses Projekt realistisch umsetzbar. Und dafür braucht es verlässliche Daten, nicht Bauchgefühl.

Was ist dafür die wichtigste Voraussetzung auf Seiten der Planung?

Ganz klar: die Detailtiefe der Planung. Gerade bei Industrie- und Pharmaprojekten muss man sehr detailliert planen. Qualität der Planung und Detailtiefe hängen direkt mit Kostensicherheit zusammen. Deshalb haben wir vor etwa einem Jahr unser komplettes CAD-System auf Revit umgestellt, um genau diese Tiefe sauber abbilden zu können. Gleichzeitig haben wir unsere AVA-Software auf NOVA AVA umgestellt, um gerade in frühen Phasen schneller und besser in der Kostenschätzung zu werden.

Sie sprechen die frühe Phase an. Wie schaffen Sie es konkret, dort verlässliche Zahlen zu liefern?

Wir arbeiten mit echten Kennwerten aus realisierten Projekten. Das ist für uns der entscheidende Punkt. NOVA AVA ermöglicht uns, Kennwerte aus abgeschlossenen Projekten zu bilden, baupreisindexbereinigt und belastbar. Das sind keine theoretischen Zahlen – das sind echte Preise. Wir kennen diese Projekte, wir wissen, was sie gekostet haben, und wir wissen, dass wir für dieses Geld auch neue Projekte umsetzen können.

Das klingt nach einem deutlichen Bruch mit früheren Arbeitsweisen. Wie sah das früher aus?

Früher haben wir das alles in Excel gemacht. Wir haben Projekte ausgewertet, Kennwerte gebildet, Excel-Dateien zusammengesucht und zusammengeführt. Das war extrem aufwendig. Heute gehen wir in NOVA AVA, laden Vergleichsprojekte rein und haben sofort baupreisbereinigte Kennwerte zur Verfügung. Das ist ein anderes Arbeiten – deutlich schneller und deutlich sicherer.

Welche Rolle spielt Software insgesamt für Kostensicherheit?

Eine sehr große. Für uns ist Software kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Prozesse effizient und transparent zu machen. NOVA AVA ist für mich keine klassische AVA-Software. Sie bildet nicht nur Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung ab, sondern kann extrem viel mit Daten. Gerade für LP2 ist das entscheidend. Gute Daten sind die Grundlage für gute Kostenschätzungen.

Sie betonen immer wieder den frühen Zeitpunkt. Warum ist das so entscheidend?

Weil spätere Korrekturen teuer sind – finanziell wie organisatorisch. Wenn ich erst in der Ausführung merke, dass das Budget nicht passt, habe ich kaum noch Stellschrauben. Deshalb ist es für uns wichtig, dem Kunden sehr früh eine realistische Einschätzung zu geben. Kostensicherheit heißt für uns: Transparenz von Anfang an.

Wie behalten Sie die Kosten über den Projektverlauf hinweg im Blick?

Wir arbeiten mit einem konsequenten Kostenverlauf. Bei uns ist es immer so: Wenn wir neue Kosten rausgeben, gibt es einen Vergleich. Was waren die Kosten in der Leistungsphase 2? Was ist jetzt in der Kostenberechnung? Diese Gegenüberstellung ist für uns enorm wichtig. Die Kostenanalyse in NOVA AVA nutzen wir dafür ständig. So wird der Kostenverlauf digital nachvollziehbar.



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Mehr Informationen

Im Video noch mehr Erfahrungenen des Ingenieurbüros Sulzer mit NOVA AVA


Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit Architekten und anderen Planern?

Sehr wichtig. Je früher wir eingebunden sind, desto besser. Der Architekt ist meist als Erster beim Kunden, und je früher wir dazugeholt werden, desto größer ist unser Einfluss auf technische und damit auch auf kostenrelevante Entscheidungen. Gerade mit BIM funktioniert das heute deutlich besser. Wir brauchen das Modell ab Leistungsphase 3, damit wir wirklich damit arbeiten können – und das funktioniert mittlerweile mit vielen Büros sehr gut.

Stichwort BIM: Welche Rolle spielt das Modell für Kostensicherheit?

Eine zunehmende. Wir planen seit vielen Jahren in 3D und mit Metadaten, lange bevor es offiziell BIM hieß. Heute merken wir, dass das ganzheitliche Planen am Modell wirklich im Markt angekommen ist. Der nächste Schritt ist für uns, die Kostenberechnung direkt aus dem IFC-Modell zu generieren. Dafür müssen die Modelle sehr konsistent sein – daran arbeiten wir aktuell intensiv.

Kostensicherheit endet nicht mit der Planung. Wie sichern Sie sie in der Ausführung ab?

Auch hier spielt Transparenz eine große Rolle. Wir nutzen NOVA AVA für den gesamten Abrechnungsprozess in der Leistungsphase 8: Aufmaß, Rechnungsprüfung, Nachträge. Unsere Projektassistenten und Spezialisten sind darin sehr gut geschult. Außerdem hilft uns die Software, klare Workflows zu haben, gerade in der Bauleitung. Das schafft Übersicht und Nachvollziehbarkeit.

Wie nehmen Ihre Bauleiter das Thema an?

Die Bauleiter sind bei uns früh integriert, idealerweise schon ab LP5. Sie kennen dann das LV, wissen, was ausgeschrieben ist, und sind vorbereitet. NOVA AVA wird auch auf der Baustelle genutzt, über iPads und iPhones. Das Internet ist dort manchmal noch eine Herausforderung, aber insgesamt funktioniert das gut.

Abschließend gefragt: Was bedeutet Kostensicherheit für Sie persönlich als Planer?

Für mich bedeutet Kostensicherheit vor allem Verlässlichkeit gegenüber dem Kunden. Ich mache viele Kostenschätzungen selbst und prüfe sie auch. Wenn ich Zahlen herausgebe, will ich dahinterstehen können. Und das kann ich, weil wir mit echten Daten arbeiten, aus realisierten Projekten. Das gibt Sicherheit – uns und unseren Auftraggebern.

Vielen Dank für das Gespräch.


Über das Büro

Das Ingenieurbüro Sulzer, Vogt, bietet seit über 30 Jahren die komplette Planung und Abwicklung technischer Gebäudeausrüstung aus einer Hand. Gegründet von Harald Sulzer wird das 90-köpfige Team geführt von Benedikt Sulzer und Mathias Sulzer. Seit 2024 arbeitet das Büro mit der cloudbasierten Baukosten-Management-Software NOVA AVA und nutzt sie über nahezu alle Leistungsphasen.